Der Degradee ist im BDSM der devote Part, der Lust aus Erniedrigung, Demütigung und Herabsetzung zieht. Was für Außenstehende hart oder verletzend wirkt, kann für einen Degradee ein intensiver Lustgewinn durch Erniedrigung sein – solange alles auf klarer Absprache, Konsens und gegenseitigem Vertrauen basiert. Dieser BDSM Ratgeber erklärt dir, was Degradee bedeutet, welche Kinks und Spiele möglich sind und wie du BDSM Erniedrigung sicher gestaltest.
Degradee Bedeutung – was steckt hinter dem Kink?
Der Begriff Degradee kommt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß „der Erniedrigte“ oder „Unterworfene“. In BDSM Machtspielen steht der Degradee auf der Seite der Submission: Er oder sie erlebt sexuelle Erregung, wenn der eigene Wert scheinbar „heruntergesetzt“ wird – etwa durch verbale Demütigung, Herabsetzung, Bloßstellen oder körperliche Degradation.
Im Mittelpunkt steht dabei Erniedrigung zum Lustgewinn. Der Degradee wird reduziert, herabgewürdigt, vielleicht objektifiziert – aber nur im sicheren Rahmen der Szene. Das Gegenstück ist der Degrader: die dominante Person, die Demütigung, Befehle, Spott oder Machtgesten einsetzt. Typische Rollen können Sklave, Sub, Brat oder auch „Schmutz-Footboy“, „Spielzeug“ oder „Haustier“ sein.
Wichtig: Die Macht liegt nicht wirklich beim Degrader allein. In der Tiefe steuert der Degradee mit seinen Grenzen, seinem Safeword und seiner bewussten Zustimmung die Intensität des Spiels. Humiliation Play ist immer einvernehmlich und basiert auf Vertrauen.
Wer eignet sich als Degradee?
Du könntest ein Degradee sein, wenn du dich gerne unterwirfst und spürst, dass in dir Lust aufkommt, wenn du bestraft, lächerlich gemacht oder kontrolliert wirst. Vielleicht fühlst du dich erregt, wenn dich jemand „benutzt“, dich herunterputzt oder dich absichtlich bloßstellt – natürlich nur im sicheren Rahmen eines Rollenspiels. Viele empfinden gerade die Kombination aus Scham und Erregung als extrem intensiv.
Degradee zu sein, ist ein BDSM Kink, der häufiger vorkommt, als viele denken. Oft beginnt es mit harmlosen Rollenspielen: ein dominanter Partner, ein devoter Part, etwas Dirty Talk. Mit der Zeit wird aus dem Spiel eine klare Vorliebe – Degradee und Degrader entwickeln gemeinsame Rituale, Regeln und Szenen.
Du musst deshalb nicht im ganzen Leben „unten“ sein. Viele Degradees führen im Alltag, Job oder in Beziehungen ein sehr selbstbewusstes, dominantes Leben – und genießen es gerade deshalb, im Schlafzimmer die Kontrolle abzugeben und Erniedrigung als Ventil zu nutzen.
Mögliche Spiele rund um Degradee & Degrader
Degradee-Szenarien können sehr unterschiedlich aussehen – von soft bis extrem. Wichtig ist, dass ihr vorher klärt, was für dich erotisch ist und was zu weit geht. Einige typische Formen von BDSM Erniedrigung sind:
- Verbale Degradierung: Schimpfwörter, „Sklaven“-Anreden, Spott, Befehle – alles, was dich klein macht und deine Rolle als Degradee unterstreicht.
- Körperliche Degradation: Knien, Küssen der Füße, als Möbelstück dienen, Fesselspiele mit Handfesseln und Halsfessel mit Leine, Spanking mit Peitschen oder Paddles.
- Öffentliche oder halböffentliche Spiele: an die Leine gelegt werden, anzügliche Befehle in der Öffentlichkeit (immer diskret und legal!), das Tragen auffälliger Kleidung unter der normalen Garderobe.
- Psychische Erniedrigung: kontrollierter Liebesentzug, gezieltes Ignorieren, „Gedemütigt werden“ vor anderen – nur mit extrem viel Vertrauen und klaren Grenzen.
Degradee-Spiele können mit anderen Kinks kombiniert werden: Femdom, Spanking, CBT, Petplay, Keuschhaltung und mehr. Je klarer ihr vorher besprecht, was euch triggert (positiv wie negativ), desto sicherer wird das gemeinsame Humiliation Play.
Aufeinander achten – Safeword, Consent & Aftercare
Gerade weil Degradee BDSM tief in psychische Bereiche gehen kann, ist Sicherheit hier besonders wichtig. Erniedrigung kann alte Wunden triggern, Scham verstärken oder Unsicherheiten wachrufen. Gleichzeitig kann sie befreiend wirken, wenn du in einem sicheren Rahmen loslassen darfst.
Bevor ihr Degradee-Szenen spielt, solltet ihr:
- Intensiv sprechen: Was ist okay? Welche Wörter sind tabu? Welche Fantasien reizen dich, welche gar nicht?
- Safewords vereinbaren: Ein Wort für „Stopp sofort“ und optional ein Wort für „etwas runterfahren“ – so kann dein Degrader die Szene feinjustieren.
- Trigger abklären: Gibt es Themen (Körper, Vergangenheit, Familie, Leistung), die niemals Teil von Erniedrigung sein dürfen?
Nach jeder Session folgt das Aftercare: körperliche Nähe, Decken, Wasser, Streicheleinheiten, Gespräche. Gerade ein Degradee braucht nach harter Demütigung oft Bestätigung: Du bist geliebt, wertvoll und mehr als die Rolle im Spiel. Ein ehrlicher Satz wie „Du hast das toll gemacht, ich schätze dein Vertrauen“ kann unglaublich viel auffangen.
Tipps für alle Levels – Degradee Schritt für Schritt
- Level 1 – Soft Degradee: Leichte verbale Erniedrigung („versautes Ding“, „mein Spielzeug“), knien vor dem Partner, einfache Befehle. Kein öffentliches Bloßstellen, kein harter Spott. Perfekt, um herauszufinden, wie sich Degradee-Sein für dich anfühlt.
- Level 2 – Mittelintensives Humiliation Play: Fesselspiele mit Hand- und Fußfesseln, Spanking mit Peitsche oder Flogger, intensiver Dirty Talk, vielleicht erste „Aufgaben“ oder „Strafen“. Safeword klar nutzen, wenn etwas kippt.
- Level 3 – Harte BDSM Erniedrigung: Komplexe Szenarien, ggf. vor ausgewählten Zuschauern (z.B. BDSM-Party), Kombination mit Keuschhaltung oder strenger Kontrolle des Alltags. Hier sind ausführliche Vorgespräche, erfahrene Partner und gute psychische Stabilität ein Muss.
- Einsteiger: Im Schlafzimmer sprecht ab, dass du für eine halbe Stunde „Sklave/Sklavin“ bist. Der Degrader gibt einfache Befehle („knie dich hin“, „zieh mich aus“) und nutzt sanfte, aber freche Beschimpfungen.
- Fortgeschrittene: Ihr entwickelt eine kleine Szene mit Setting (z.B. „Chef und Angestellte“, „Domina und Knecht“). Es gibt klare Regeln, Strafen und Belohnungen. Fesseln, Leine oder Masken aus dem BDSM & Bondage-Bereich dürfen dazukommen.
- Erfahrene: Ihr lebt eine dauerhaftere Machtstruktur (z.B. 24/7-Light-D/s), in der Degradee-Elemente regelmäßig vorkommen. Es gibt Verträge, Rituale und vielleicht sogar Regeln für Anrede, Kleidung und Verhalten – immer mit Raum für Anpassung, wenn sich Gefühle oder Bedürfnisse verändern.
Fazit: Degradee als intensiver BDSM-Kink
Degradee zu sein bedeutet, Lust in Erniedrigung, Scham und Machtgefälle zu finden – nicht, im echten Leben weniger wert zu sein. Richtig gelebt, ist BDSM Degradation ein machtvoller Kink: Er kann dich mit deinen tiefsten Fantasien in Kontakt bringen, Grenzen verschieben und Vertrauen auf eine ganz neue Stufe heben.
Wenn dich der Gedanke an Erniedrigung zum Lustgewinn reizt, geh Schritt für Schritt vor, sprich offen mit deinem Degrader und hol dir Wissen aus BDSM Ratgebern. Dann kann das Leben als Degradee nicht nur erregend, sondern auch heilsam, befreiend und unglaublich verbindend sein.





